25 Marken geprüft. Drei schreiben die Herkunft in die Produktdaten.
Hinter jeder Produktseite liegt ein Datenblatt für Maschinen, und dafür ist ein Feld für das Herstellungsland vorgesehen. Gefüllt war es dreimal.
Jede Produktseite spricht zwei Sprachen
Die eine ist für Menschen: Bilder, Beschreibung, Merkmalsliste. Die andere ist für Maschinen — ein Datenblatt hinter der Seite, aus dem Suchmaschinen, Preisvergleiche und Einkaufshilfen ihre Angaben ziehen. Darin stehen Name, Artikelnummer, Preis, Verfügbarkeit, oft sogar die akzeptierten Zahlungsarten.
Für das Herstellungsland ist dort ebenfalls ein Feld vorgesehen. Es gehört seit Jahren zum Standard und kostet eine Zeile.
Wir haben bei 25 Marken nachgesehen. Gefüllt war es bei dreien.
Die drei, die es tun
Loro Piana trägt im Datenblatt eines Cashmere-Pullovers für 1.300 Euro das Herkunftsland „Italien" ein. Givenchy ebenso, ebenfalls Italien. Und Kenzo füllt sogar zwei Felder.
Alle drei gehören zu LVMH. Das klingt nach einer Konzernentscheidung — ist aber keine. Denn im selben Haus lassen Louis Vuitton, Dior, Céline, Fendi, Berluti, Pucci, Patou und Marc Jacobs dasselbe Feld leer.
Nicht der Konzern entscheidet das also, sondern die jeweilige Verkaufsplattform. Wer Herkunft maschinenlesbar ausliefert, tut es, weil sein Shop-System es vorsieht — nicht, weil eine Leitlinie es verlangt.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Tommy Hilfiger und Calvin Klein laufen auf derselben Plattform, bis in die Bezeichnungen der Aufklappfelder. Bei Calvin Klein steht das Herstellungsland, bei Tommy Hilfiger ist dieselbe Zeile leer.
Genauer gesagt also: Die Plattform entscheidet, ob die Angabe möglich ist. Ob sie gepflegt wird, entscheidet die Marke.
Kenzo zeigt, warum ein Feldname nicht reicht
Bei Kenzo stehen zwei Felder nebeneinander, und sie sagen Verschiedenes.
countryOfAssembly: Portugal — dort wird genäht
countryOfOrigin: Frankreich — das ist die Marke
Beide Angaben stimmen. Aber wer nur die zweite ausliest — und sie heißt nun einmal „Herkunftsland" —, hält ein in Portugal genähtes Kleidungsstück für ein französisches.
Das ist keine Spitzfindigkeit. Es ist der Grund, warum eine Herkunftsangabe ohne die Frage „Herkunft wovon?" wenig wert ist. Dieselbe Unterscheidung fehlt den meisten anderen Häusern nicht deshalb, weil sie sie ablehnen, sondern weil sie gar kein Feld führen.
Und die anderen 22
Bei allen übrigen bleibt das Feld leer — quer durch alle Preisklassen, Länder und Eigentümerstrukturen. Vom T-Shirt für zwanzig Euro bis zur Tasche für 4.300.
Besonders auffällig ist das dort, wo im sichtbaren Text viel steht. Natalino nennt in seinen Beschreibungen 58-mal Neapel, achtmal Florenz, viermal Okayama — und bleibt für jede automatische Auswertung stumm. Asket legt siebzehn Fertigungsschritte mit Lieferantennamen offen und ebenso.
Wie genau eine Marke Auskunft gibt und ob diese Auskunft abfragbar ist, sind also zwei getrennte Entscheidungen. Die eine sagt nichts über die andere.
Der Fall Asket, der keiner ist
Bei einer weiteren Marke schien die Suche zunächst anzuschlagen. Asket führt tatsächlich Herkunftsangaben maschinenlesbar mit sich — sogar den Namen des Zulieferers.
Nur stehen sie in Askets eigener Datenschicht, nicht in dem Format, das Suchmaschinen und Vergleichsdienste lesen. Dort ist das Feld leer wie überall sonst. Ein Vergleichsdienst findet auch hier nichts.
Eine Adresse ist keine Herkunft
Bei Windsor steht unter „Hersteller" eine vollständige Anschrift in der Schweiz. Das sieht nach einer Herkunftsangabe aus, ist aber keine.
Die europäische Produktsicherheitsverordnung verlangt, dass ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur mit Anschrift genannt wird — wer haftet, nicht wo genäht wurde. Die beiden fallen nur selten zusammen. Wer die Adresse für den Fertigungsort hält, liest eine Haftungsangabe als Herkunftsnachweis.
Was das praktisch bedeutet
Ein Dienst, der Marken automatisch ausliest, sieht bei Natalino dasselbe wie bei SIR of Sweden, das gar nichts angibt: nichts.
Die Auskunft existiert, sie ist bloß nicht abfragbar. Für die Marke heißt das, dass ihre Offenheit in keinem Vergleich auftaucht. Für Käuferinnen und Käufer heißt es, dass jeder Filter nach Herkunft ins Leere greift — nicht weil die Daten fehlen, sondern weil sie an der falschen Stelle stehen.
Was wir hier korrigiert haben
Diese Seite ist zweimal falsch gewesen.
Die erste Fassung stützte sich auf dreizehn Marken und nannte den Befund ausnahmslos. Das war als Aussage über die Branche zu weit gegriffen; mit Loro Piana lag die Gegenprobe vor.
Die zweite Fassung sprach von einer Ausnahme unter 23. Auch das stimmte nicht: Givenchy und Kenzo waren in einer früheren Runde geprüft worden und führen dieselben Felder — wir hatten die Tabelle aus der laufenden Runde gebaut, ohne den eigenen Bestand gegenzulesen.
Beides steht hier, weil eine Seite über fehlende Angaben ihre eigenen Lücken zeigen muss. Das Ergebnis ist dadurch genauer geworden: nicht „macht niemand", nicht „macht eine", sondern „machen drei — und alle drei aus demselben Konzern, in dem acht andere es nicht tun".
25 Marken, je eine Produktseite, geprüft zwischen dem 27. Juli und dem 1. August 2026
| Marke | Was auf der Seite steht | Datenblatt vorhanden | Herkunft darin |
|---|---|---|---|
| Kenzo | „Made in Portugal" im sichtbaren Text | ja | JA — Fertigung Portugal, Marke Frankreich |
| Loro Piana | „Made in Italy" in der Merkmalsliste | ja | JA — Italien |
| Givenchy | Angabe steht nur im Datenblatt | ja | JA — Italien |
| Asket | Lieferkette mit 17 Schritten, Lieferant je Schritt | ja | nein — nur in der eigenen Datenschicht |
| Natalino | Feld „Made In" plus Stadt im Text, 58-mal Neapel | ja | nein |
| Theory | Konfektion Vietnam, Stoff Japan über vier Stufen | ja | nein |
| Velasca | Feld „Made in — Montegranaro (Italy)" | ja | nein |
| Pini Parma | „Made in Italy" bei 30 von 30 Artikeln | ja | nein |
| Myrqvist | „Handcrafted in Portugal" auf 8 von 8 Seiten | ja | nein |
| Anton Meyer | „gewebt von Albini, gefertigt in Portugal" | ja | nein |
| Levi's | „Hergestellt in Pakistan" im Aufklappfeld | ja | nein |
| Frederic's | je Artikel verschieden, bei 2 von 7 gar nichts | ja | nein |
| Mango | „Herstellung: Ägypten", teils drei Fertigungsstufen | nein — führt gar keins | — |
| Louis Vuitton | „Made in France, Made in Spain, oder Made in Italy" | ja | nein |
| Suitsupply | nur die Weberei: „Woven by Piacenza, Italy" | ja | nein |
| Profuomo | nur der Stoff, in Japan gestrickt — kein Konfektionsland | ja | nein |
| GANT | nur die Weberei Thomas Mason, kein Land | ja | nein |
| Ralph Lauren | „Importiert" — ohne Land | ja | nein |
| Windsor | keine Angabe — nur Produzentenadresse nach EU-Recht | ja | nein |
| Charles Tyrwhitt | keine Angabe | ja | nein |
| John Henric | keine Angabe | ja | nein |
| Replay | keine Angabe | ja | nein |
| Jack & Jones | keine Angabe | ja | nein |
| Borriello Napoli | keine Angabe | ja | nein |
| SIR of Sweden | keine Angabe | ja | nein |
Häufige Fragen
Was ist ein Produktdatenblatt?
Ein maschinenlesbarer Block hinter der Seite, aus dem Suchmaschinen und Vergleichsdienste ihre Angaben ziehen. Er enthält typischerweise Name, Artikelnummer, Preis und Verfügbarkeit — und kann ein Feld für das Herkunftsland enthalten.
Welche Marken füllen das Feld?
Von 25 geprüften drei: Loro Piana und Givenchy mit Italien, Kenzo mit Portugal für die Fertigung und Frankreich für die Marke. Alle drei gehören zu LVMH.
Ist das dann eine Konzernentscheidung?
Nein. Im selben Konzern lassen Louis Vuitton, Dior, Céline, Fendi, Berluti und weitere das Feld leer. Es hängt an der jeweiligen Verkaufsplattform, nicht am Eigentümer.
Warum reicht der Feldname „Herkunftsland" nicht?
Weil er zweierlei meinen kann. Bei Kenzo steht die Fertigung in Portugal und die Marke in Frankreich — wer nur das Herkunftsfeld ausliest, hält ein portugiesisches Stück für ein französisches.
Ist die Adresse unter „Hersteller" eine Herkunftsangabe?
Nein. Die EU-Produktsicherheitsverordnung verlangt einen verantwortlichen Wirtschaftsakteur mit Anschrift — wer haftet, nicht wo gefertigt wurde.