Marken-Porträt · kein Test

GANT

Die meisten Marken verraten zu wenig. GANT verrät viel — und macht es unbrauchbar.

Veröffentlicht 30. Juli 2026 Zuletzt geprüft 30. Juli 2026 5 verlinkte Quellen
New Haven — Illustration
Illustration, keine Fotografie. Erzeugte Ansicht von New Haven, USA, woher die Marke stammt.

GANT

Herkunft
USA
Gegründet
1949
Konzern
MF Brands Group
Produktion
Lieferantenliste veröffentlicht
Kernmaterialien
Baumwolle
Preisniveau
3/4
Beleg-Index
45 von 100

Wie viel diese Marke offenlegt und wie viel davon wir prüfen konnten. Es ist keine Qualitätsnote — eine Materialzeile sagt nichts darüber, wie gut ein Stoff ist. Wie wir das berechnen

  • Produktions-Offenlegung 25/25
  • Verlinkte Quellen 20/20
  • Eigene Materialprüfung 0/15
  • Flächengewicht angegeben 0/12
  • Herstellungsland je Produkt 0/10
  • Konstruktionsangaben vorhanden 0/10
  • Kostenaufbau veröffentlicht 0/8

Beleglage zum Preis So viel, wie dieses Preisband üblicherweise belegt

Eine Liste, die alles preisgibt

Auf der Nachhaltigkeitsseite von GANT gibt es ein Aufklappfeld namens „Fabriklisten", und darin steht ein einziger Link. Wer ihn anklickt, bekommt etwas, das die meisten Modemarken nie herausgeben: eine Aufstellung von über sechzig Fabriken, jede mit Lieferant, Werksnamen und vollständiger Anschrift. Straße, Industriegebiet, Stadt, Provinz. Bei einigen sogar die Telefonnummer.

Die Länder reichen von Italien und Portugal über die Türkei, Rumänien, die Ukraine und Litauen bis nach Tunesien, Marokko, Indien, Sri Lanka, Vietnam, China und in die USA. Das ist mehr, als fast jedes Haus dieser Recherche zeigt.

Und dann versucht man, darin zu suchen.

Die Liste ist ein Foto

Es geht nicht. Das Dokument besteht aus einem einzigen Bild. Jede Firma, jede Adresse, jede Telefonnummer ist abfotografiert. Man kann keinen Namen suchen. Man kann nichts herauskopieren. Man kann die Liste nicht sortieren, nicht nach Ländern zählen und nicht mit der eines anderen Hauses vergleichen.

Beim genauen Hinsehen erkennt man auch, wie es dazu kam: In einer Zeile schiebt sich der Textrest einer anderen sichtbar über den Nachbareintrag — so sieht es aus, wenn jemand einen Ausschnitt aus einer Tabellenkalkulation abfotografiert und das Bild in ein PDF legt.

Wir haben es vergrößert und Zeile für Zeile gelesen. Anders war die Liste nicht zu gebrauchen.

Eine Absicht unterstellen wir nicht. Aber zwischen „veröffentlicht" und „benutzbar" liegt hier die ganze Differenz, um die es dieser Seite geht. Die Daten sind da, vollständiger als bei den meisten. Die Form nimmt ihnen den Wert.

Am Hemd selbst steht nichts

Zurück zum Anfang, dorthin, wo gekauft wird. Wir haben ein Anzughemd aus Popeline durchgesehen, weiß, hundert Euro statt zweihundert. Die Seite lässt kaum etwas aus: Passform, Kragenform, Saum, Pflege, Material.

Ein Herstellungsland ist nicht dabei — weder im Text noch in den Angaben, die hinter der Seite hinterlegt sind. Herkunft ist dort schlicht kein vorgesehenes Feld.

Und die Fabrikliste hilft nicht weiter. Sie nennt keine Produkte, keine Warengruppen, keine Marken innerhalb des Hauses. Welches der über sechzig Werke dieses Hemd genäht hat, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht beantworten. Ein Datum trägt das Dokument auch nicht; die Jahreszahl steht nur im Dateinamen.

Genannt wird der Stoff, nicht die Näherei

Eine Produktionsangabe gibt es dann doch, gut sichtbar in der Beschreibung:

Unser Gant Herren Hemd besteht aus hochwertiger Baumwollpopeline, die in der britischen Spinnerei Thomas Mason gefertigt wurde.

Die Weberei also, mit Namen und Land. Wo aus dem Stoff ein Hemd wurde, steht nicht da.

Es ist dieselbe Figur wie bei Suitsupply: Der Arbeitsschritt, der schmückt, wird zum Verkaufsargument; der andere kommt nicht vor. Beide Häuser nennen eine Weberei, beide schweigen zur Konfektion. Und bezeichnenderweise ist es ausgerechnet diese Stufe, die in GANTs Fabrikliste fehlt — die enthält nur die Nähereien. Das Aufklappfeld heißt trotzdem „Fabriklisten", im Plural.

Ein amerikanischer Name, ein schwedisches Unternehmen, ein Schweizer Konzern

GANT erzählt seine Herkunft selbst so, dass 1949 an der Yale University alles begann — Campus-Store, Hemden, ein Stück amerikanische Modegeschichte.

Das Unternehmen hinter der Marke ist heute die schwedische GANT AB. Und auf gant.de findet sich der Hinweis, dass Maus Frères zur länderbezogenen Steuerberichterstattung verpflichtet ist — der Schweizer Konzern, dessen Modearm als MF Brands Group firmiert.

Drei Länder in einer Marke, und keines davon sagt etwas darüber, wo genäht wird. Wer aus dem Ivy-League-Ursprung auf amerikanische Fertigung schließt, liegt genauso daneben wie jemand, der aus „GANT AB" auf schwedische schließt.

Wie wir geprüft haben

Wir haben die Produktseite, die Nachhaltigkeitsseite und die Fabrikliste von Hand durchgesehen und dabei jedes Aufklappfeld einzeln geöffnet. Alle Zitate stehen im Wortlaut der Marke. Geprüft am 30. Juli 2026; das Hemd trägt die Artikelnummer 3260080-110 und ist mit 100 Prozent Baumwolle angegeben.

Transparenz-Fakten

Nachprüfbare Angaben mit Quelle, keine Bewertung. Eine eigene Ethik-Note vergeben wir nicht — dafür führt der externe Link weiter.

Produktionsländer
Italien, Portugal, Türkei, China, Indien, Vietnam, Sri Lanka, Tunesien, Marokko, Rumänien, Ukraine, Litauen, USA
Lieferantenliste veröffentlicht
Liste ansehen

Was wir belegen können

  • Anzughemd aus Popeline, Artikel 3260080-110, 100 € statt 200 €, gelesen am 30. Juli 2026
  • Kein Herkunftsfeld auf der Produktseite — weder im sichtbaren Text noch im Datenblatt dahinter
  • Product-Datenblock mit Marke „GANT AB", Farbe, Material „100 % Baumwolle", Passform und Pflege — ohne Herkunftsfeld
  • Sichtbare Produktionsangabe zum Stoff: Baumwollpopeline aus der britischen Spinnerei Thomas Mason
  • Aufklappfeld „Fabriklisten" auf gant.de/nachhaltigkeit mit genau einem Eintrag: „Gant tier 1 factory list PDF (296KB)"
  • Tier-1-Liste mit Spalten Lieferant, Fabrikname und vollständiger Fabrikadresse, über sechzig Zeilen
  • Länder aus den Adressen: Italien, Portugal, Türkei, Rumänien, Ukraine, Litauen, Tunesien, Marokko, Indien, Sri Lanka, Vietnam, China, USA
  • Form der Veröffentlichung: ein einziges Rasterbild von 1121 × 984 Pixeln und drei Textoperationen — ein Bildschirmfoto einer Tabellenkalkulation
  • Hinweis auf die Berichtspflicht von Maus Frères nach EU-Richtlinie 2013/34/EU im Seiteninhalt von gant.de

Was nicht

  • In welchem Land das geprüfte Popeline-Hemd genäht wurde — die Liste enthält keinen Produktbezug
  • Die Vorstufen: Es gibt keine Tier-2-Liste, obwohl die einzige sichtbare Produktionsangabe genau von dort stammt
  • Der Stand der Fabrikliste; im Dokument steht kein Datum, die Jahreszahl findet sich nur im Dateinamen
  • Die genaue Zeilenzahl der Liste; das Dokument ist ein Bild ohne Textebene und lässt sich nur auszählen, nicht auswerten
  • Ob die Bedingungen in den genannten Betrieben den Angaben entsprechen; wir waren in keinem davon

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Leser-Erfahrungen zu GANT

Das sind Erfahrungen von Leserinnen und Lesern, keine Bewertung unserer Redaktion. Wir testen nicht — wir belegen. Jeder Beitrag wird vor der Veröffentlichung geprüft.

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Häufige Fragen

Nennt GANT ein Herstellungsland?

Auf der Produktseite nicht. Weder sichtbar noch im Datenblatt hinter der Seite steht ein Herkunftsfeld. Genannt wird allein die Weberei des Stoffs, die britische Spinnerei Thomas Mason.

Gibt es eine Fabrikliste?

Ja, eine Tier-1-Liste mit über sechzig Betrieben, Fabriknamen und vollständigen Straßenadressen. Sie ist auf der Nachhaltigkeitsseite verlinkt.

Warum ist die Liste schwer zu benutzen?

Weil sie als Bild veröffentlicht wird. Das PDF enthält ein einziges Rasterbild ohne Textebene: nicht durchsuchbar, nicht kopierbar, nicht auswertbar. Die Daten sind da, die Form nimmt ihnen den Gebrauchswert.

Lässt sich ein einzelnes Hemd einer Fabrik zuordnen?

Nein. Die Liste nennt keine Produkte und keine Warengruppen. Welcher der über sechzig Betriebe ein bestimmtes Hemd genäht hat, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.

Wem gehört GANT?

Die Marke gehört zum Schweizer Konzern Maus Frères, dessen Modearm heute als MF Brands Group firmiert; das Unternehmen hinter der Marke ist die schwedische GANT AB. Gegründet wurde GANT 1949 in den USA.

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