Ein T-Shirt für 20 Euro nennt seine Fabrik. Eine Tasche für 4.300 nicht.
Wir haben zwanzig Marken aus vier Konzernen dieselbe Frage gestellt: Steht auf der Produktseite, wo das Stück hergestellt wurde? Das Ergebnis hat mit dem Preis nichts zu tun — und das ist die eigentliche Nachricht.
Die Frage war bei allen dieselbe
Für jede Marke haben wir eine Produkt-Detailseite geöffnet — nicht die Übersicht, nicht die Nachhaltigkeitsseite, sondern die Seite, auf der man kauft — und nachgesehen, was dort über die Herstellung steht. Bei einigen Marken zwei oder mehr Seiten.
Vier Marken fehlen in der Auswertung, weil ihre Shops unseren Zugriff sperren. Sie stehen als „nicht prüfbar" in der Tabelle, nicht als „keine Angabe" — das eine ist eine Aussage über uns, das andere wäre eine über sie.
Der Preis erklärt nichts
Ein Weekday-T-Shirt für 19,99 Euro nennt die nähende Fabrik mit Firmennamen, vollständiger Anschrift in Bangladesch und der Zahl der Beschäftigten: 7.721. Eine Loewe-Tasche für 4.300 Euro nennt kein Land. Eine Celine-Tasche für 4.650 Dollar auch nicht.
Das ist kein Ausreißer. Ein Pull&Bear-Shirt für 7,99 Euro trennt die Herkunft nach drei Prozessstufen — Weberei, Färbung und Print, Konfektion. Ein GU-Shirt für rund sechs Euro nennt das Nähland. Beides fehlt im gesamten Luxussegment.
Wer mehr zahlt, erfährt nicht mehr. Oft erfährt er weniger.
Das Segment erklärt es auch nicht
Innerhalb von LVMH nennen sieben von dreizehn Häusern ein Herstellungsland, sechs nicht. Fendi veröffentlicht sogar eine Liste von 461 Zulieferern mit Namen und Adressen — im selben Konzern, in dem Loewe bei einer Tasche für 4.300 Euro schweigt.
Damit fällt die bequeme Erklärung weg, Intransparenz gehöre zum Luxus. Gleicher Eigentümer, gleiche Preisklasse, gleiche Rechtslage, verschiedene Antworten.
Und die Technik erst recht nicht
Der deutlichste Beleg steht bei Inditex. Pull&Bear zeigt drei Prozessstufen, Bershka nennt das Land in einem eigenen Abschnitt, Stradivarius nennt nichts. Alle drei laufen auf derselben Shop-Software desselben Konzerns.
Und ausgerechnet die teuerste der drei sagt am wenigsten. Wenn zwei Schwestermarken auf derselben Plattform die Angabe führen und die dritte nicht, ist es keine Frage des Systems mehr. Es bleibt eine Entscheidung.
Zwei Arten, es zu verstecken
Givenchy liefert die Angabe aus, zeigt sie aber nicht.
Im Quelltext der Produktseite steht „Italy". Im sichtbaren Text steht nichts. Suchmaschinen erfahren es, Leserinnen und Leser nicht.
Bei den H&M-Marken ist es genau umgekehrt.
Fabrik, Anschrift und Belegschaftsgröße stehen da — aber sie laden erst nach, wenn man einen Aufklapper öffnet, und fehlen in den strukturierten Daten. Menschen sehen sie, Maschinen nicht.
Beides ist dieselbe Information, zweimal an der falschen Stelle.
Was diese Tabelle nicht ist
Sie ist keine Rangliste der besseren Marken.
Sortiert wird nach der Tiefe der Auskunft, nicht nach Qualität, Arbeitsbedingungen oder Umweltwirkung. Dass Weekday die Fabrik nennt, sagt nichts darüber, wie dort gearbeitet wird — wir waren in keinem dieser Betriebe.
Und ein fehlendes Land ist kein Beweis.
Wer nichts angibt, produziert deshalb nicht schlechter. Er lässt es einen nur nicht wissen. Genau das ist der Unterschied, den diese Seite misst: nicht wie produziert wird, sondern was man darüber erfährt.
Zwanzig Marken, vier Konzerne, je eine Produkt-Detailseite (bei einigen mehrere), geprüft am 30. Juli 2026
| Marke | Preis des geprüften Stücks | Was auf der Produktseite steht | Konzern |
|---|---|---|---|
| Weekday | 19,99 € | Fabrik FAKIR KNITWEARS LTD., Anschrift in Bangladesch, 7.721 Beschäftigte | H&M Group |
| & Other Stories | 59 € | Fabrik FUJIAN WANJIAMEI, Anschrift in Quanzhou, 505 Beschäftigte, Land China | H&M Group |
| Arket | 39 € | Betrieb DENIZ TEKSTIL, Anschrift in Denizli, 251 Beschäftigte, Land Türkei | H&M Group |
| Pull&Bear | 7,99 € | Drei Stufen einzeln: Weberei, Färbung und Print, Bekleidung — alle Bangladesch | Inditex |
| Fendi | 2.700 € | Made in Italy, dazu Lieferantenliste mit 461 Betrieben samt Adressen | LVMH |
| GU | ~6 € | Herstellungsland Bangladesch, dazu Konzernliste mit 705 Fabriken | Fast Retailing |
| Trigema | 27,40 € | Hergestellt in Deutschland, drei Werke namentlich genannt | unabhängig |
| Christian Dior | 1.690–3.700 € | Hergestellt in Italien, auf allen sechs geprüften Produkten | LVMH |
| Berluti | 2.180 € | Made in Italy, in einer eigenen Zeile „Origin“ | LVMH |
| Emilio Pucci | 790 € | Made in Italy, auf beiden geprüften Produkten | LVMH |
| Kenzo | 490 € | Made in Portugal | LVMH |
| Patou | 645 $ | Made in Madagascar, auf beiden geprüften Produkten | LVMH |
| Bershka | — | Hergestellt in Pakistan, eigener Abschnitt „Herkunft“ | Inditex |
| Rimowa | 1.800 € / 940 € | Aluminium-Linie: in Deutschland gefertigt · Polycarbonat-Linie: kein Land | LVMH |
| Givenchy | 2.300 $ | „Italy“ nur im Quelltext, im sichtbaren Text nichts | LVMH |
| Loewe | 4.300 € | keine Angabe | LVMH |
| Celine | 4.650 $ | keine Angabe | LVMH |
| Marc Jacobs | 228 $ | keine Angabe (Verkauf an WHP Global angekündigt) | LVMH |
| Stradivarius | ~16 € | keine Angabe | Inditex |
| Louis Vuitton | — | nicht prüfbar — Shop sperrt unseren Zugriff | LVMH |
| Loro Piana | — | nicht prüfbar — Shop sperrt unseren Zugriff | LVMH |
| Theory | — | nicht prüfbar — Shop sperrt unseren Zugriff | Fast Retailing |
Sortiert nach Tiefe der Auskunft, nicht nach Qualität. Geprüft wurde jeweils die Produkt-Detailseite. Bei Christian Dior, Pull&Bear, Bershka und Stradivarius stammen die Angaben aus dem Browser des Betreibers dieser Website, weil die Shops unseren Zugriff sperren oder die Inhalte erst nach dem Anklicken nachladen. Bei Rimowa stammen sie aus datierten Archivkopien. Preise und Angaben ändern sich ohne Ankündigung.
Häufige Fragen
Heißt „nennt die Fabrik“, dass dort gute Bedingungen herrschen?
Nein. Die Angabe sagt, wo produziert wurde, und sonst nichts. Über Löhne, Arbeitszeiten oder Sicherheit erfährt man dadurch nichts — wir waren in keinem dieser Betriebe und haben keine Prüfberichte eingesehen.
Warum steht bei manchen Marken „nicht prüfbar“ statt „keine Angabe“?
Weil ihre Shops unseren Zugriff sperren. Was wir nicht lesen konnten, können wir nicht bewerten. „Keine Angabe“ wäre eine Aussage über die Marke, „nicht prüfbar“ ist eine über uns.
Ist eine teure Marke schlechter, weil sie nichts angibt?
Nicht daraus ableitbar. Eine fehlende Angabe erlaubt keinen Schluss darauf, was dahinter liegt — nur darauf, dass man es als Käufer nicht erfährt.
Wie oft ändern sich diese Angaben?
Jederzeit und ohne Ankündigung. Alle Zeilen sind mit dem Datum unserer Prüfung versehen; in den einzelnen Porträts stehen Artikelnummern, damit jeder selbst nachsehen kann.
Warum fehlt der Preis bei einigen Marken?
Weil wir ihn bei diesen Stücken nicht belegen konnten — etwa weil die Angabe über den Browser des Betreibers kam und der Preis dort nicht mitkopiert wurde. Wir tragen lieber nichts ein als eine Zahl aus zweiter Hand.